Über Kerstin Hünerbein

Die Powerfrau .

Frauen wird heute immer noch zu wenig Unternehmertum zugetraut. Sie werden seltener für Vorträge gebucht, sie bekommen seltener Kredite und die Leitung eines eigenen Unternehmens übernehmen immer noch überwiegend Männer. Die aus Osnabrück stammende Kerstin Hünerbein zeigt, dass es auch anders geht. Sie führt seit Jahren im Teutoburger Wald erfolgreich „Hünerbein’s Posthotel Superior“, welches sie selbst gegründet hat und heute zusammen mit ihrem Mann leitet. Dass das auch als Mutter hervorragend zu handhaben ist, beweist sie ebenso. Und als älteste von drei Töchtern lernte sie schon früh, Verantwortung zu übernehmen.

Werdegang und Berufswunsch

Kerstin Hünerbein wusste schon mit sechs Jahren, dass sie ins Hotelgewerbe wollte, schon bevor sie den Beruf der Hotelfachfrau überhaupt kannte. Vor allem die jährlichen Sommerreisen in das Stammhotel der Eltern mit dem zuvorkommenden Service und dem harmonischen Zusammenspiel der verschiedenen Abteilungen trugen wesentlich dazu bei, ihr Herz an das Hotelgewerbe zu verlieren. Für ein Praktikum in der 9. Klasse bewarb sie sich bei einer großen Hotelkette und bekam hier die Gelegenheit, einen Blick in alle Leistungsbereiche eines Hotels zu werfen. Ihr Berufswunsch verstärkte sich hierdurch noch. Ein kurzes Interesse für den Beruf Hebamme wurde schnell wieder verworfen. Die Liebe zum Hotelgewerbe war stärker. Ihre große Begeisterung für den Beruf kam gut beim Praktikumsgeber an, denn noch während des Praktikums wurde ihr ein Ausbildungsplatz im selben Unternehmen angeboten. Aus einer Unternehmerfamilie stammend, der Vater führte einen Handwerksbetrieb und die Mutter ein in Osnabrück bekanntes Leuchtenfachgeschäft, kannte sie die Anforderungen, die an ein mittelständisches Unternehmen gestellt werden, gut und sagte gerne zu. Ihr Weihnachtsgeschenk war dann der unterschriebene Ausbildungsvertrag, der ihr den Beginn der Ausbildung ab dem folgenden August zusagte. Als eine Mitarbeiterin dort die Chance bekam, ein anderes Hotel zu führen, wollte sie Kerstin gern mitnehmen. Dort begann sie nach der Ausbildung ihr Berufsleben.

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Start der Karriere

Heimweh sorgte aber dafür, dass sie die Stelle wieder kündigte. Dank ihrer Begeisterung für den Beruf und ihrer Ausdauer und Zähigkeit blieb sie jedoch nicht lange arbeitslos und hatte schon acht Tage später einen neuen Arbeitsplatz in einem Hotel im Osnabrücker Land. Schon während der Ausbildung gefielen ihr besonders das Management und die Organisation, die wesentliche Bestandteile eines Hotels sind. Verbunden mit dem von ihr gewünschten Kundenkontakt war die Rezeption der richtige Arbeitsplatz für sie. Ihr dortiger Chef erkannte aber schnell ihr Talent für organisatorische Aufgaben und so landete sie in einem gerade neu eröffneten Hotel der Kette, um dort die Reservierung zu leiten. Die Reservierung von Zimmern, Tischen und Tagungsräumen gehörten zu ihren Aufgaben. Auch Arrangements entwickelte sie mit Leidenschaft, leitete Ausflüge zu Ostern und Weihnachten. Dennoch fehlte ihr der tägliche und direkte Kundenkontakt.

Der Schritt in die Selbstständigkeit

Als sie dann ihre große Liebe Carsten in dem Hotel kennen lernte, nutzte sie die Chance, die sich ihr bot, an seinem Heimatort das Eiscafé seiner Eltern zu übernehmen. Der Plan, zusätzlich ein Hotel zu bauen, verwirklichte sich zwar nicht, aber als sie die Chance bekam, ein Hotel zu pachten, auch noch in der Nähe von Kerstins Familie, griffen sie zu. Als sich nach fünf Jahren die Frage stellte, ob sie das Hotel kauften oder zurückgaben, entschieden sie sich für den Kauf. Schließlich hatten sie schon einiges an Geld investiert und der Ehrgeiz war da, aus der kleinen Gaststätte mit ein paar Zimmern ein 3-Sterne-Hotel zu machen. Mittlerweile wurde geheiratet und auch ihr erstes Kind war auf der Welt. Einfach war diese Zeit nicht. Trotz Hindernissen von allen Seiten, vor allem der dort ansässigen Vereine, setzte sich das Paar durch und erweiterte das Hotel immer mehr, schließlich auch unter Einbezug der eigenen Wohnräume. Wichtig war ihnen dabei immer die Trennung von Arbeit und Familienleben, so dass die Kinder ihre Kindheit ausleben konnten und nichts von den Schwierigkeiten der Erwachsenenwelt mitbekamen. Zugleich lenkten familiäre Angelegenheiten nicht von der Arbeit ab. Ein Hotel zu leiten und zu organisieren, bedeutet viel Arbeit, Aufmerksamkeit und Herzblut.

Ausdauer zahlt sich aus

So wuchsen die Kinder unbeschwert heran und das Unternehmen expandierte in Umsatz, Mitarbeitern und Zimmerzahl immer weiter. Selbst der Vorsitzende ihres Hotelverbands, der das Paar anfangs nicht ernst nahm, was ihre Expansionspläne anging, musste ihnen ein paar Jahre später schließlich die Auszeichnung 3 Sterne Superior verleihen und konnte den Erfolg nicht leugnen. Auch gegenüber der Gemeinde zeigte das Paar Durchsetzungsvermögen. Die Genehmigung für die ursprüngliche Idee, ein Landhotel mit speziellen Arrangements zu eröffnen, war nämlich mit der Auflage verbunden, die Rechte an den Arrangements an die Gemeinde zu übertragen. Die Familie Hünerbein steht jedoch für Authentizität und Originalität. So wagten sie den Schritt ohne die Rechteübertragung und suchten sich eine andere Nische. Mittlerweile hat sich das Hotel auf Geschäftskunden spezialisiert, das verschiedene Tagungspakete für Unternehmer anbietet. Dementsprechend sind die Zimmer eingerichtet, mit hochwertigem Mobiliar, freundlichen Farben und der neuesten Technik, z.B. modernen TV-Geräten und digitalen Gästemappen. Das Unternehmen arbeitet emsig auf die Verleihung der 4 Sterne hin und das durchaus erfolgreich. Aber auch privater Feiern sind gern gesehen. So werden hier Hochzeiten, Geburtstage und Trauerfeiern ausgerichtet.

Schwerpunkt Digitalisierung

Innovativ ist das Hotel im Bereich der Digitalisierung aufgestellt. So werden die Vorgänge immer mehr digitalisiert. Reserviert werden kann online, der Check-In erfolgt automatisch und auch die komplette Buchhaltung ist digitalisiert. Betritt ein Gast sein Zimmer, so schaltet sich die Heizung automatisch hoch und beim Verlassen geht die Temperatur wieder runter. Die Hotelgäste können das Hotel ohne Schlüssel betreten, die Speisekarte und auch der Room Service sind ebenfalls digitalisiert. Auch die Mitarbeiter profitieren vom digitalen Wandel. Eine eigene MitarbeiterApp für Lohnabrechnungen, Dienstpläne, Freiwünsche und auch Urlaube dient der Zufriedenheit des ganzen Teams. Ebenso wird per Handy angezeigt, wenn Geräte defekt sind oder auch wenn Kühlmittel oder Spülmittel fehlen. Ein Blockheizkraftwerk ist vorhanden und die Homepage ist mit einem QR-Code versehen.

Prozessoptimierung ist das Herz des Unternehmertums

Besonders am Herzen liegt Kerstin die Prozessoptimierung gerade im Hinblick auf das Jahresziel. Man könnte sie auch als Strukturoptimiererin bezeichnen. Prozesse sind die Grundstruktur eines Unternehmens, um die Qualität zu sichern und sorgen für die Weiterentwicklung sowohl der einzelnen Leiszungsbereiche als auch der persönlichen und beruflichen Entwicklung der Mitarbeiter. Gerade für kleine und mittlere Unternehmen sind Prozessstruktur und Optimierung wichtig, um neben den Großunternehmen bestehen zu können. Diesen Trend hat Kerstin erkannt, sie wird bei ihren Kollegen als Expertin auf diesem Gebiet angesehen, bekommt Anfragen, um in Vorträgen die Prozesswelt zu erklären oder auch einfach beratend zur Seite zu stehen. Die Prozessstruktur bezeichnet das ideale Zusammenarbeiten der verschiedenen Geschäftsbereiche. Wichtig ist hier nicht nur die Arbeit im, sondern auch am Unternehmen, also im organisatorischen Bereich. Neue Mitarbeiter sind nach einer Woche schon besser im Team angekommen und auch perfekt eingearbeitet, als in Unternehmen die nicht mit einer Prozessstruktur arbeiten. Das klappt mithilfe einer schriftlichen Checkliste, auf der jeder Vorgang mit seinen eigenen Schritten ausführlich erklärt wird. So kann sich die Führungskraft z.B. auf das gegenwärtige Meeting konzentrieren und muss sich keine Gedanken um die Mitarbeiter machen. Die Mitarbeit am und im Unternehmen sind so hervorragend gesichert. Auch Rezepte sind elektronisch hinterlegt und selbstverständlich alle einzuhaltenden Hygienemaßnahmen. Natürlich wird auch Wert auf die persönliche Zusammenarbeit gelegt und das vor allem mit Herz und Humor.

Über die Grenzen hinaus bekannt

National bekannt geworden ist das Hotel durch die Sendung „Mein Himmlisches Hotel“, quasi das „Shopping Queen“ für Hotels, in der besondere Hotels im Teutoburger Wald das Thema waren. Aufmerksam wurde der Sender auf das „Hünerbein`s Posthotel“ wiederum durch die sehr guten Bewertungen im Internet. Auch während der Dreharbeiten war es dem Unternehmen sehr wichtig, sich trotz eines Drehbuches authentisch zu zeigen und sich nicht zu verstellen. Gerade das ist es, was die Besonderheit von Kerstin Hünerbein und auch von „Hünerbein’s Posthotel" ausmacht. Immer noch kommt es vor, dass sie beim Arzt oder Einkauf auf ihren Fernsehauftritt angesprochen werden.

Mitarbeiterentwicklung - Das Herzblut der Unternehmerin

Ihr Steckenpferd sind seit Beginn ihrer beruflichen Karriere die Mitarbeiterentwicklung und Mitarbeiterführung. Sowohl Auszubildende, Fachkräfte als auch Quereinsteiger sind herzlich willkommen und werden mit Herz und natürlicher Wärme empfangen. Ein gutes Betriebsklima ist wichtig auch damit sich der Gast wohl fühlt. Für die Mitarbeiter wurde Hünerbein's Akademie gegründet, die Workshops zu bestimmten Themen anbietet und für die die Mitarbeiter von der Arbeit freigestellt werden. Es werden Zertifikate dafür ausgestellt, die der Mitarbeiter in ein neues Unternehmen mitnehmen kann. Der Wechsel des Arbeitsplatzes ist ein selbstverständlicher Vorgang, der als Teil der persönlichen und beruflichen Entwicklung des Mitarbeiters angesehen wird. Es ist dem Unternehmen sehr wichtig, die Mitarbeiter in ihrer Entwicklung zu fördern, vor allem Frauen, da es gerade von ihnen noch zu wenig gibt, die in den Führungsetagen und als Speaker arbeiten. Speaker sind Vortragende zu bestimmten Themen des Geschäftslebens. Gerade hier wird Frauen immer noch zu wenig zugetraut. Kerstin Hünerbein ist ein Beispiel dafür, dass das völlig zu Unrecht geschieht. Mit ihrer Zielstrebigkeit, ihrem Geschäftssinn und ihrer Herzlichkeit, die sie sich immer bewahrt hat, kann Kerstin Hünerbein zu Recht als Vorbild gelten.